Stuttgart, den 22.11.2018

"Das CSR-Reporting ändert sich rapide"

Meint Wolfgang Scheunemann, Geschäftsführer der dokeo GmbH

Wir würden uns über Kommentare zu diesem Thema an wir@dokeo.de freuen. Sofern Sie es uns erlauben, würden wir gerne in einiger Zeit Ihre Meinung hier veröffentlichen. Diese Diskussion führen wir auch auf LinkedIn in der Gruppe "CSR Academy Germany" und auf Twitter mit dem Hashtag #CSRGesetz.

Langsam werden die Veränderungen im CSR-Reporting deutlich, die das "Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzern-Lageberichten" (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz) vom 11. April 2017 explizit oder implizit ausgelöst hat. Es setzt eine entsprechende EU-Richtlinie um und regelt in Deutschland Art und Umfang der Offenlegung von Angaben zu nichtfinanziellen Aspekten, zumindest zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

Damit ist eine der wichtigsten Säulen des CSR-Reportings der letzten 15 Jahre nahezu entfallen. Die Regeln der GRI sind seither nicht mehr das Maß aller Dinge. Das, was die GRI seit dem Jahr 2000 als Rahmen gesetzt hatte und was weltweit als Kultur des CSR-Reporting zu hoher Reputation geführt hat, ist plötzlich nicht mehr Taktgeber (in der EU). Mag die GRI in Zukunft ihre Standards hier und dort noch weiterentwickeln: Wen in Deutschland interessiert es, wenn doch das Gesetz zu erfüllen ist, und mehr nicht?

"Und mehr nicht"

Somit ist der GRI-Standard als globaler Leuchtturm vom Sockel gestürzt worden. Er steht jetzt im Wettbewerb mit vielen anderen Standards, besseren und schlechteren, wie z. B. dem Deutschen Nachhaltigkeits-Kodex (DNK) oder dem Global Compact. Es gibt Standards, nach denen ein Unternehmen viel leichter die gesetzlichen Anforderungen erfüllen kann als mit der GRI.

Vom schönen Bericht zur Datenwüste

Die Veränderung der Grundlagen verursacht auch, dass ein CSR-Bericht von einer veritablen Publikation zu einem Papierchen von 15 bis 20 Schreibmaschinenseiten schrumpft.

Auch der Umgang mit den Themen verändert sich: Während man die GRI-Indikatoren nicht nur als zu beantwortende Fragen, sondern auch als Anregung zum Weiterdenken verstand, bietet das Gesetz dazu keine Veranlassung mehr.

Die mittelständischen Banken und Versicherungen, die durch die CSR-Berichtspflicht auf einmal etwas tun mussten, haben unisono den DNK als Grundlage genommen und todlangweilige Datenwüsten fabriziert. Und nicht eine Seite mehr produziert als verlangt. Vom Geist, vom Leben von CSR spürt man darin nichts.

Dieser Trend zu "CSR-Light" ist deutlich sichtbar: Die GRI meldet 134 Berichte aus Deutschland für 2017 und 44 für 2018. Die Zahlen beim DNK lauten: 246 Berichte für 2017 und einen für 2018. Diese Zahlen enthalten einige Unschärfen bezüglich des Berichtsjahres. Z. B. bezieht sich der einzige Bericht des Jahres 2018 in der DNK-Datenbank (von Hipp) tatsächlich auf das Jahr 2017.

Weitere Veränderungen

Darauf wird die GRI sicher reagieren und sich (noch) mehr den Regionen der Welt zuwenden, die nicht der EU-Gesetzgebung unterliegen. Deutsche Firmen werden noch weniger das Einfluss-Netzwerk der GRI in die Politik nutzen können als bisher.

Und auch das "Integrated Reporting" ist betroffen. Es ist doch kein Problem, die wenigen Seiten etwas schöner gestaltet als Anhang in den Geschäftsbericht aufzunehmen. And that's it.

Fazit

Das neue Gesetz hat die "CSR-Kultur" in den Unternehmen ins Mark getroffen. Aus dem freiwilligen Engagement ist eine Pflichterfüllung geworden. Wie gut, dass man wenigstens nicht noch den Namen "CSR-Bericht" okkupiert hat, sondern im Gesetz nur von der "nichtfinanziellen Berichterstattung" gesprochen wird.

Die CSR-Berichte werden sich ändern: Es wird sicher auch in Zukunft schöne und wertvolle CSR-Berichte geben, weil sie sich wunderbar eignen, sich den eigenen Mitarbeitern, potentiellen Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und dem gesellschaftlichen Umfeld zu präsentieren. CSR-Berichte werden auch in Zukunft für die Hebung der Reputation des Unternehmens unverzichtbar sein, besonders in Zeiten wie jetzt, in denen die Glaubwürdigkeit der Unternehmen und ihrer Führungsfiguren so gelitten hat.

Aber die inhaltliche Ausrichtung wird sich verändern: Sie werden wieder PR-lastiger werden. Dabei waren wir auf die recht nüchterne, klare Sprache stolz, die sich so wohltuend von dem oft bombastischen und inhaltsleeren Getöse der Kommunikationsabteilungen unterschied. Im CSR-Bericht hat ein Unternehmen sogar Fehler zugeben können, ohne dass die Juristen zu klagen begannen. Wo sollte so etwas jetzt noch stehen?

Mancher mag sich die gesetzliche Regelung des CSR-Reportings gewünscht haben. Leider ist ein Gesetz entstanden, das den Standard erheblich zurückversetzt, fast an den Anfang des Reportings um das Jahr 2000.

Jetzt gilt es, in den Unternehmen, den Universitäten, bei Beratern und NGOs noch deutlicher herauszuarbeiten, was CSR eigentlich ist und warum sich CSR für Unternehmen lohnt. Das bedeutet Arbeit für die nächsten 20 Jahre.

Und hoffen wir, dass uns die Politik in dieser Zeit mit weiteren derartigen Gesetzen verschont.

Wolfgang Scheunemann


Wie nachhaltig ist Ihr Unternehmen?
Jahresend-Rallye beim "dokeo Quick-Check Nachhaltigkeits-Performance"

Nur 2.500 Euro bei Bestellung vor dem 31.01.2019

Der Quick-Check Nachhaltigkeits-Performance ist ein Instrument, mit dem Sie Ihren Standort bezüglich Nachhaltigkeit in Ihrem Umfeld bestimmen und zusätzlich verborgene Effizienz-Potentiale Ihres Unternehmens aufspüren. Diese werden durch ein Abfrageinstrument grob lokalisiert. Die Experten bei dokeo mit ihrem jahrelangen Know-how in der Nachhaltigkeits-Beratung unterstützen dabei und vertiefen die Erkenntnisse.

Das daraus entstehende Exposé ist nur für Sie. Darüber hinaus ermöglicht es Ihnen, Ihr Unternehmen mit dem derzeitigen Durchschnitt aller Unternehmen zu vergleichen, die diesen Quick-Check ausgeführt haben. Es hilft Ihnen auch, Ihre Fortschritte der vergangenen zwei Jahre zu bestimmen.

> Mehr
 


Die Kurse der dokeo CSR-Akademie um den Jahreswechsel

CSR-Kommunikation zur Reputationsverbesserung

Das Seminar legt die Grundlagen, um eine effiziente und zielorientierte CSR-Kommunikation aufzubauen bzw. durchzuführen.
 

CSR-Reporting nach GRI und DNK - Intensiv oder Kompakt

In diesem Seminar wird das Know-how vermittelt, um nach den GRI oder DNK-Standard einen den rechtlichen Vorschriften und den Unternehmensinteressen folgenden CSR-Bericht zu erstellen.
 

Konflikte mit kritischen Organisationen erfolgreich lösen

Das Seminar macht die Situation in einem Konflikt zwischen Unternehmen und NGO verständlich, zeigt mögliche Verhaltens- und Lösungswege auf und befähigt, Konflikte zu erkennen, zu managen und letztlich zu lösen.
 

Nachhaltige Beschaffung nach ISO 20400

Das Seminar bietet einen Einstieg in die Thematik der nachhaltigen Beschaffung. Durch Interaktion eignen Sie sich ein umfassendes Wissen an.

> Termine und Inhalte finden Sie hier
 


Zusammenarbeit

dokeo arbeitet mit dem Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie e.V. und der TÜV-Süd Akademie zusammen.
 

     

Datenschutz, DSGVO

Wenn Sie diese Informationen von uns nicht mehr wollen, können Sie auf diese E-Mail auch mit dem Wort "Abmelden" in der Betreffzeile antworten. Unsere Datenschutzerklärung, Informationen über den Umgang mit Ihren Daten sowie An- und Abmeldung von unseren Newslettern finden Sie hier.

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie auch in Zukunft in unserem Verteiler behalten dürfen und Sie damit einverstanden sind, weiter digital informiert zu werden.

dokeo GmbH, S‌chubertweg 8, 73760 O‌stfildern,
Geschäftsführer: Wolfgang Scheunemann, Tel.: 0‌711 2‌20 8‌640, Web, E-Mail, HRB Stuttgart 24592